Sonntag, 25. August 2013

Francesco Guardi, 1712-1793. Eine Abbitte.


Ich habe ein schlechtes Gewissen. Nicht nur habe ich einem Meister die gebührende Achtung versagt. Ich habe ihn sogar an der Stelle übersehen, wo er zwingend hingehört hätte, in dem Abschnitt über Engländer und Italiener.

Nicht zu reden von den Einträgen über William Turner.

Guardi gehört der Generation unmittelbar vor Turner an, er malt noch ganz aus dem Geist des Rokkoko. Aber es ist nicht mehr der Geist der Schäferidylle, sondern schon das Vergnügen am Schaurigen, aus dem die Romantik sich nährte. Über den älteren, dann den jüngeren Canaletto führt über Guardi eine direkte Spur zu Turner. Denn dass jener bei seinen vielen Venedigaufenthalten dessen Kunst nicht kennen gelernt hätte, ist kaum vorzustellen.

30. 5. 2010


aus Neue Zürcher Zeitung, 2. 12. 2010:

von Marion Löhndorf

... Der Figurenmaler Francesco Guardi (1712 bis 1793) fand erst spät, um 1758, zur Vedutenmalerei. Sein eindrucksvolles Werk – das unter genauer Kenntnis desjenigen Canalettos entstand, ohne ihn stilistisch je zu kopieren – markiert ein letztes glanzvolles Schlusskapitel der Blütezeit des Genres: Der Markt der kaufkräftigen aristokratischen Touristen war bereits weitgehend erschöpft, als Guardi den Höhepunkt seines Schaffens erreichte. Guardi war nicht wie Canaletto an Präzision interessiert und an dessen majestätisch-klarer, optimistischer Sicht einer Welt von unerschütterlicher Eleganz, einer Welt, die in Ordnung ist. Guardis Venedig-Ansichten zeichnen sich weniger durch Akkuratesse als durch atmosphärische Dichte aus. Sein nervöser Pinselstrich, der seine Gebäude leicht erzittern zu lassen scheint, weist schon voraus auf die romantische Sensibilität des 19. Jahrhunderts. Guardis Werke erinnern an Rilke und Thomas Mann, die in der Stadt eine theatralische, fast unwirkliche Traumkulisse sahen. Canalettos Venedig als in gleissendes Licht getauchte Stätte der Perfektion und Schönheit war bei Guardi schon zum Ort der Vergänglichkeit geworden.



















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